Lehrerfortbildungen und Unterrichtsentwicklung am SUZ-Mitte

Von Karin Selle (pädagogische Mitarbeiterin am SUZ-Mitte , STR´n für die Fächer Biologie, Informatik; Sport)

Das Schul-Umwelt-Zentrum Mitte hat bereits vor vielen Jahren die Diskrepanz zwischen der arbeitsaufwändigen Vorbereitung einer Projektarbeit durch den einzelnen Lehrer sowie einer intensiven Projektbegleitung vor Ort im Gegensatz zur weiteren Nutzung der erarbeiteten Materialien und einer nachhaltigen Verbreitung erkannt. Deshalb haben wir früh auf digitale Medien gesetzt und unsere Angebote, Projekte und Unterrichtsideen ab 2001 auf unserer Webseite unter www.suz-mitte.de veröffentlicht. Mit der Regionalisierung der Fortbildung 2007 bekamen wir als Einrichtung Unterstützung für unsere Arbeit in Form von Stunden für die regionale Fortbildung im Bereich BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung), Naturwissenschaften und Sachunterricht. So entwickelte sich ein bezirkliches Netzwerk, das der Fortbildung und dem Austausch von Ideen diente. Digitale Austauschplattform bietet der Lernraum Berlin, in dem das SUZ einen eigenen Bereich mit selbst erstellten Materialien zur Verfügung stellt.

Somit war früh gewährleitet, dass Materialien und Arbeitsergebnisse ausgetauscht werden und auch gemeinsam mehrfach genutzt werden konnten.

Beschränkt blieb dies überwiegend auf den Grundschulbereich. Sowohl bei der Schülerarbeit vor Ort als auch bei den Fortbildungen für Lehrer war traditionsgemäß dieser Schultyp stark vertreten. Erwähnenswert ist noch die langjährige Zusammenarbeit mit dem Lessing-Gymnasium. Sie bekam unter anderem im Bereich der Begabtenförderung neue Impulse.

Insgesamt blieb die Zusammenarbeit mit den Oberschulen aber auf engagierte Einzelfälle beschränkt, obwohl wir gerade für den neuen Schultyp ISS gute Ansatzpunkte für eine erfolgreiche Unterrichtsarbeit sehen.

Deshalb bot sich durch eine intensivere Zusammenarbeit mit den fachdidaktischen Seminaren der TU eine Chance über zukünftige Lehrer für das Fach Wirtschaft-Arbeit-Technik (WAT) bereits erprobte Unterrichtsideen an die Schulen zu bringen und neue passgenaue Projekte für diesen Schultyp zu entwickeln. Die Zusammenarbeit mit den zukünftigen Lehrerinnen und Lehrern lässt auf eine nachhaltige Verankerung reformpädagogischer Ideen mit modernen Unterrichtskonzepten hoffen.
Seit 2003 kooperiert das Institut für Berufliche Bildung und Arbeitslehre mit dem Schul-Umweltzentrum Mitte, im Speziellen im Bereich der fachdidaktischen Ausbildung von Arbeitslehre/Wirtschaft-Arbeit-Technik.

Seit dem Wintersemester 2012/13 findet für die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer des Faches Wirtschaft-Arbeit-Technik ein Seminar direkt an diesem Standort statt und wird von mir als pädagogische Mitarbeiterin und langjährige Lehrkraft geleitet.

Das hat den Vorteil neue Unterrichtsprojekte mit den Studenten zu planen und durch einen hohen Praxisanteil für sie direkt erfahrbar zu machen.

Betrachtet man die Inhalte des Rahmenlehrplan WAT und die Möglichkeiten für Projektarbeit an den Gartenarbeitsschulen, so finden sich viele Schnittstellen (siehe Abb.1). Hinzu kommt der fächerübergreifende Aspekt, der sich bei vielen Themen ergibt.

Aufgrund der jahreszeitlichen Abhängigkeiten entstand ein Konzept mit verschiedenen Schwerpunkten:

  • Gärtnerischer Grundkurs (nur im Sommersemester)
    Welche grundlegenden Arbeitstechniken muss ein Lehrer selbst kennen und wie werden sie vermittelt?
  • Mobiles Gärtnern am Schulstandort
    Wie plane ich ein Gartenprojekt an einem Schulstandort ohne Schulgarten und führe es durch?
  • Ernten und Haltbarmachen
    Wie verarbeite ich meine Ernte und mache sie haltbar? Wie kann ich meine Gartenprodukte in einer Schülerfirma vermarkten?
  • Grüne Berufe
    Welche Projekte lassen sich am SUZ-Mitte oder an einer Schule zum Thema „Grüne Berufe"(z.B. Umwelttechnik ... Bewässerungssysteme ...) durchführen.

Die Aktivitäten und Arbeitsergebnisse lassen sich in diesem Rahmen nicht vorstellen, reichen aber über das Erlernen von Arbeitsabläufen des Gärtnerberufs, Planung und Bau von Hochbeeten, Kräuteranbau in Tetrapaks, Herstellung und Produktanalyse von Apfelsaft bis hin zu eine Informationsfahrt zu Zuckerfabrik oder dem Besuch des Lebensmitteltechnologischen Instituts der TU Berlin.
Die entstanden Unterrichtsmaterialien sind sehr anregend und bilden einen Fundus für die spätere unterrichtliche Tätigkeit und sind mit Einverständnis der Beteiligten für alle Teilnehmer in einem Lernraum untereinander einsehbar.

Durch diese kollaborative Arbeitsweise hoffen wir als pädagogisches Team des SUZ-Mitte einige Impulse für Umweltbildung und Grüne Berufe an zukünftige Lehrer und ihre Schüler weitergeben zu können.

Die Gartenarbeitsschule als außeruniversitärer Lernort für die Ausbildung von Lehrern im Fach Wirtschaft-Arbeit-Technik.
Prof. Dr. Simone Knab

Rückblick : Zusammenarbeit des Fachgebietes Fachdidaktik/ Arbeitslehre/Lehramtsausbildung des Instituts für Berufliche Bildung und Arbeitslehre der TU Berlin mit dem Schulumweltzentrum Mitte
Seit 2003 arbeitet das Fachgebiet Fachdidaktik des Instituts für Berufliche Bildung und Arbeitslehre mit dem Schul-Umweltzentrum Mitte zusammen. Ein Ziel der gemeinsamen Arbeit ist es, Studierenden die Gartenarbeitsschule als praktischen und lebensnahen Lernort mit seinen nahezu unzähligen unterrichtlichen Bezügen für das Fach Wirtschaft-Arbeit-Technik bereits während des Studiums persönlich erfahrbar zu machen. Für Lehrerinnen und Lehrer des Faches Wirtschaft-Arbeit-Technik bietet der Lernort Gartenarbeitsschule eine Vielzahl von inhaltlichen und fachbezogenen Anknüpfungsmöglichkeiten, mit denen diese ihren Schülern konkret, schülerzentriert und in der praktischen Arbeit fachrelevante Inhalte vermitteln können. Für das Fach Wirtschaft-Arbeit-Technik ist die Gartenarbeitsschule als (ein) Lernort prädestiniert, bedauerlicherweise ist dieser aber unter den Fachkollegen noch immer zu wenig bekannt und in Folge dessen noch zu wenig genutzt.

Da sich kein Lerninhalt so sehr in den Köpfen der Schüler - aber auch der Studierenden - verankert wie der, der selbst mit allen Sinnen entdeckt wird (vgl. Pestalozzi 1975, S. 125 ff.), wurden in den letzten Jahren in verschiedenen Seminaren ausgewählte Veranstaltungen in der Gartenarbeitsschule vor Ort durchgeführt. So fanden beispielsweise einzelne Seminarveranstaltungen in der Gartenarbeitsschule im Rahmen von Vorbereitungen auf das Unterrichtspraktikum, sowohl im Bachelor als auch im Masterstudium statt. Die Studierenden erhielten dabei, mit Blick auf das bevorstehende Unterrichtspraktikum, die Aufgabe, den Lernort Gartenarbeitsschule zunächst zu erkunden und anschließend Möglichkeiten zu entwickeln, diesen in die schulische Arbeit zu integrieren. So entstanden Seminararbeiten wie beispielsweise ein Gartenarbeitsschulparcours oder eine Gartenarbeitsschnitzeljagd.

Seit 2011 finden nun im Masterstudiengang Arbeitslehre fachdidaktische Seminare in Kooperation mit dem Schulumweltzentrum Mitte über ein ganzes Semester statt. Diese Seminare beschäftigen sich folglich in deutlich intensiverer Art und Weise mit den Möglichkeiten einer Verknüpfung fachlicher Inhalte des Faches Wirtschaft-Arbeit-Technik mit Lernanlässen, die sich während der Arbeit in einer Gartenarbeitsschule eröffnen.

An der ursprünglichen Aufgabenstellung, nämlich der Auseinandersetzung mit fachspezifischen Möglichkeiten einer unterrichtlichen Einbindung von Gartenarbeitsschulen, hat sich nichts geändert. Die Seminare finden aber weiterentwickelt je nach Jahreszeit und Teilnehmerkreis mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung statt. In ihnen sollen unter anderem eigene Unterrichtsideen entwickelt werden und in diese der Lernort Gartenarbeitsschule für eine zukünftige eigene unterrichtliche Tätigkeit implementiert werden.

Bevor die konkreten Seminare vorgestellt werden, soll zunächst das Fach Wirtschaft-Arbeit-Technik und das Konzept der Gartenarbeitsschulen in Berlin skizziert werden.

Stellung des Faches im Kontext schulischer Bildung in Berlin
Das Fach Wirtschaft-Arbeit-Technik nimmt im Kontext schulischer Bildung eine besondere Rolle ein, wird doch in keinem weiteren Fach so explizit auf die Vermittlung berufsrelevanter Kompetenzen Bezug genommen. Aus den Schulgesetzen der Bundesländer geht hervor, dass in der Schule überfachliche Kompetenzen ausgebildet werden müssen, damit Schüler in die Lage versetzt werden, einen lebenslangen Lernprozess erfolgreich und selbstbestimmt zu gestalten, durch den sie verantwortlich am sozialen, gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben teilnehmen können (vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung 2010, S. 9.).

Dazu ist es nötig, dass Schüler in allen Fächern überfachliche Kompetenzen wie Sozial-, Personal- und Methodenkompetenz erwerben. Darüber hinaus ergänzt das Berliner Schulgesetz, dass schulische Bildung mit arbeits- und berufsbezogenen Fragestellungen zu verknüpfen ist und Schüler auf die Berufswahl und Berufsausübung vorzubereiten sind (vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung 2010, S. 11). Die Erfüllung dieser wesentlichen Bildungsaufgabe obliegt vorrangig dem Fach Wirtschaft-Arbeit-Technik, da es sich inhaltlich mit zentralen Fragestellungen, Lernprozessen und Ergebnissen von Arbeit und zwar Arbeit im privaten Haushalt oder beruflicher Arbeit beschäftigt.

Das Fach schafft darüber hinaus auch Kompetenzen im Bereich der Berufsorientierung, beschränkt sich inhaltlich jedoch nicht nur auf diese. Da im Unterricht des Faches praktische Arbeit mit theoretischen Inhalten vorrangig in Werkstätten unmittelbar miteinander verknüpft wird, stellen die Gartenarbeitsschulen eine sinnvolle Ergänzung zu den schulischen Werkstätten und Unterrichtsräumen dar.

Das Fach Arbeitslehre erhielt im Rahmen der Berliner Schulstrukturreform von 2010/2011 mit Wirtschaft-Arbeit-Technik (kurz WAT) einen neuen Namen und übernahm als Leitfach eine herausragende Rolle im Fächerkanon, sollte doch in der neu geschaffenen Schulform vor allem eine verstärkte Beschäftigung mit berufsorientierenden und damit auch arbeitsrelevanten Fragestellungen erfolgen (vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft 2013).

Da seit Jahren die Zahlen von Berufsausbildungsabbrechern nahezu unverändert hoch sind (vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung 2013), erscheint eine intensive Auseinandersetzung mit Arbeit und Beruf bereits während der Schulzeit dringend nötig. Neue Brisanz erhält die Thematik aufgrund der Tatsache, dass vor dem Hintergrund sinkender Schulabgängerzahlen bereits in einigen Ausbildungsberufen ein deutlicher Mangel an Ausbildungsplatzinteressierten zu verzeichnen ist. Insbesondere Berufe, die mangels besserer Kenntnis der Schüler, zu den vermeintlich weniger attraktiven Berufen gehören, sind betroffen. Verschärft wird die Situation durch die Tatsache, dass von Ausbildern und anderen mit Berufsbildung beschäftigten Institutionen seit Jahren das Niveau der Ausbildungsreife von Schulabgängern bemängelt wird. Dieser Umstand trägt dazu bei, dass weitere Ausbildungsplätze mangels geeigneter Bewerber nicht besetzt werden können.

Die Zusammenarbeit der Gartenarbeitsschule mit Studierenden zeigt deshalb nicht nur fachrelevante Verknüpfungen auf, sondern kann darüber hinaus auch den Studierenden das Feld beruflicher Möglichkeiten im Kontext Gartenarbeit verdeutlichen, damit sie als zukünftige Lehrer ihre Schüler diesbezüglich fachkompetent berufsorientierend unterstützen können.

Kurzvorstellung studentischer Seminarergebnisse aus dem Masterstudiengang
Aufgabe der Studierenden war es, Materialien für den Einsatz im Wirtschaft-Arbeit-Technik Unterricht zu entwickeln. Das Material sollte didaktisch so gestaltet sein, dass Lehrer, die an der Entwicklung des Materials nicht mitgewirkt haben, in ihrem Unterricht selbstständig Themenfelder der Gartenarbeitsschule bearbeiten können, ohne das für sie dazu ein großer Einarbeitungsaufwand nötig ist. Die Lehrer sollten deshalb mit Hilfe des Materials fundierte fachliche Kenntnisse erwerben können, aber auch Medien, Arbeitsmaterialien und didaktische Zusatzinformationen zur unterrichtlichen Durchführung erhalten. Für die Schüler sollten didaktisch reduzierte handlungsanregende Materialien entwickelt werden.

Zur Vorbereitung der Studenten haben sich diese zunächst mit den Möglichkeiten der Gartenarbeitsschule vertraut gemacht. Dazu haben sie als Seminargruppe und individuell die Gartenarbeitsschule besucht und diese erkundet. Darüber hinaus erhielten die Studierenden Hospitationsaufträge, mit denen sie Schüler im Unterricht am Lernort Gartenarbeitsschule beobachten sollten. Aus diesen Besuchen, in Verknüpfung mit Veranstaltungen in der Universität, haben die Studenten ihre Seminararbeit eigenständig entwickelt.

In eher theoretischen Arbeitsphasen haben sich die Studenten dann mit historischen Bezügen der Gartenarbeitsschulen auseinander gesetzt. Weitere theoretische Schwerpunkte stellten die Aspekte Arbeit und Gartenarbeitsschule und die Auseinandersetzung mit relevanten Berufsfeldern dar. Am Ende des Seminars sollte eine möglichst anschauliche Präsentation der Erarbeitungen und konzipierten Unterrichtsideen im Rahmen der Methode einer Marktplatzpräsentation erfolgen. Die Studenten sollten dabei auf dem sogenannten Marktplatz kurz und aussagekräftig ihren Stand jeweils vorstellen und anschließend nach einer Begehung aller Marktstände für Fragen bereit stehen. Alle Seminarteilnehmer bewerteten schließlich die Markstände der anderen Gruppen und unterstützen diese mit konstruktiven Anregungen.

Folgende Themenschwerpunkte wurden von Gruppen oder Einzelpersonen erarbeitet:

A. Erneuerbare Energien, Sonnenenergie:

  • Solarscheuche, Photovoltaik verstehen und verwenden.
    Schüler setzen sich mit Hilfe von Materialien mit der Funktionsweise von Photovoltaikanlagen auseinander, besichtigen eine Anlage und bauen in der praktischen Anwendung eine solarbetriebene Vogelscheuche.
  • Das „Michels Umwelthaus Regenwassernutzung, Photovoltaik und Solarthermie.
    Die Schüler erkunden das Umwelthaus der Gartenarbeitsschule und bauen aus einem Karton, wenig Dämmmaterial und Folie einen sehr kostengünstigen Solarofen und eine Anlage, mit der sie mit geringsten Mitteln warmes Wasser gewinnen können.
    Beide Anlagen wurden getestet und erwiesen sich als funktionstüchtig.

B. Ernährung und Gesundheit

  • Lernstationen „Korn zu Brot" Bearbeitung und Erforschung von Getreide und Getreideprodukten.
    Schüler erforschen im Stationsbetrieb Getreidesorten, erarbeiten Einsatzmöglichkeiten und lernen ihren Nutzen kennen.
  • Die Tomate – Eine Küchentechnische und ernährungsphysiologische Entdeckungsreise.
    Schüler setzen sich mit der Tomate vom Anbau unterschiedlicher Sorten, ihrer Pflege und Kultivierung, bis hin zu bekannten und nahezu unbekannten Einsatzmöglichkeiten und Rezepten auseinander.
  • Das Bienenforscherbuch - Alles rund um die Biene.
    Schüler lernen die küchentechnische Verarbeitung von Honig, den gesundheitlichen Nutzen von Bienenprodukten, den Bau von Nisthilfen. Im Mittelpunkt steht ein sogenanntes Bienenforschertagebuch, mit Hilfe dessen die Bienenforscher selbstständig die Biene und alle Einsatzmöglichkeiten von Bienenprodukten entdecken.

C. Wildpflanzen und Heilkräuter

  • Vorsicht! Wilde Pflanzen
    Die Schüler betrachten, beschreiben und bestimmen Wildpflanzen. Sammeln, trocknen und pressen sie. Lernen Konservierungsmöglichkeiten, Wirkungen und Nebenwirkungen und Produkte aus Wildpflanzen kennen.
    Schwerpunkt hier waren alltägliche Kräuter, die auch in der Großstadt an nahezu jeder Ecke zu finden sind.
  • Heilpflanzen und Zaubertränke
    Ausgehend von Hexen und Zaubertränken lernen die Schüler Aussehen, Wirkung und Merkmale von Wildpflanzen kennen. Analysieren Wirtschaftszweige im Bereich der Nutzung von Heilpflanzen. Außerdem erfahren die Schüler etwas über die Herstellung von Produkten wie Seifen, Tees, Duftkissen und ähnlichem.
    Höhepunkt stellt die Herstellung eines sogenannten Zaubertranks aus Heilpflanzen dar.

Literaturverzeichnis

  • Bundesagentur für Arbeit (Hrsg.) (2009): Nationaler Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland. Kriterienkatalog zur Ausbildungsreife.
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung. Referat Grundsatzfragen der beruflichen Aus- und Weiterbildung (Hrsg.) (2013): Berufsbildungsbericht 2013. Bonn.
  • Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung (Hrsg.) 2010: Schulgesetz für Berlin in der Fassung vom 28. Juni 2010. URL: http://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-bildung/rechtsvorschriften/schulgesetz.pdf [Stand: 16.08.2013].
  • Pestalozzi, Johann Heinrich: Stanser Brief (1799). Kritische Ausgabe Bd. 13. In: Dietrich, Theo: Geschichte der Pädagogik. 18.-20. Jahrhundert. 2., erweiterte und überarbeitete Auflage. Bad Heilbrunn/Obb. 1975.
  • Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft (2013): Integrierte Sekundarschule. URL: http://www.berlin.de/sen/bildung/bildungswege/sekundarschule/ Entnahme [Stand: 06.08.2013].
  • Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft (2013 a): Duales Lernen. URL: http://www.berlin.de/sen/bildung/unterricht/duales-lernen [Stand: 06.08.2013].

 

Die Vielfalt Grüner Lernorte für Berufsorientierung und Nachwuchswerbung nutzen
Dagmar Krawczik, Dipl.Germ., freie Mitarbeiterin Förderverein SUZ Mitte e.V.

Junge Menschen in ihren Entscheidungsprozessen hin zur Berufswahl zu begleiten und zu unterstützen, erfordert vielfältige und sich ergänzende Strategien. Außerschulische Bildung trägt in einem hohen und unverzichtbaren Maße zur Berufsorientierung und Erlangung der Ausbildungsreife und Berufsreife bei. Für die Ausbildung einer eigenständigen, selbstbewussten und reifen Persönlichkeit mit sozialen, kommunikativen und – in einer zunehmend globalisierten und interdependenten Welt – interkulturellen Kompetenzen sind nicht formales und informelles Lernen von entscheidender Bedeutung.

Grüne Lernorte sind für schulische und außerschulische Bildung gleichermaßen geeignet und bilden eine bedeutsame Schnittstelle zwischen formalem und non formalem Lernen. Sie können auch eine geeignete Brücke zwischen Schule und Beruf sein. Mit Grünen Lernorte sind hier alle naturnahen Garten – und Landschaftsräume, in denen sowohl zielgerichtete als auch unspezifische Erfahrungen und (Er-)Kenntnisse gesammelt werden können, gemeint.

Grüne Lernorte bieten vielfältige Möglichkeiten, die Voraussetzungen, die für eine erfolgreiche Bewerbung in der Grünen Branche gelten, bei den Heranwachsenden zu entwickeln. Als diese Voraussetzungen werden angesehen:

  • Spaß am Umgang mit Pflanzen
  • Interesse an Lebensvorgängen in der Natur
  • Kreativität und handwerkliches Geschick
  • Technisches und kaufmännisches Verständnis
  • Räumliches Vorstellungsvermögen
  • Rechnerisches Denken
  • Gutes Empfinden für Farben und Formen
  • Aufgeschlossenheit und Teamfähigkeit
  • Freude am Umgang mit Menschen
  • Sprachbeherrschung
  • Körperliche Fitness und Flexibilität

(Quelle: http://www.beruf-gaertner.de/voraussetzungen.html)

Zielgruppenspezifische, aber auch generationsübergreifende Projektarbeit an verschiedenen Grünen Lernorten stärkt Präsenz, Beachtung und Ausstrahlungskraft der ausführenden Einrichtung. Der Förderverein SUZ Mitte e.V. entwickelt z.B. Projekte für Migrantenfamilien in benachteiligten Stadtgebieten, richtet Stadtteilfeste aus, führt thematische Wanderungen und Exkursionen durch und richtet dabei die Aufmerksamkeit der TeilnehmerInnen im Besonderen auf ihr lebensnahes Umfeld. Naturbeobachtungen und das Sammeln von Wildkräutern auf Exkursionen und die Ernte von Gartenprodukten werden in Beiträge auf Stadtteilfesten verwandelt. Plakate und Ausstellungen mit gärtnerischen Anleitungen in Schulen u.a. Einrichtungen erlauben, einen niedrigschwelligen Praxisbezug zu erlangen.

So entstand in den letzten Jahren ein Netz von Akteuren bürgerschaftlichen Engagements mit Ausstrahlung in die Familien und alle Generationen. Kitas, Jugendklubs, Nachbarschafts- und Seniorenheime sowie Familienzentren werden involviert, das Grün im öffentlichen Raum besser kennenzulernen und sich auch um seine Entwicklung und seinen Schutz zu kümmern.
Pflanzen kennenlernen und pflegen in Verbindung mit dem praktischen Anlegen von Beeten in den jeweiligen Einrichtungen erhöhen beiläufig das Interesse an grünen Berufen. Der Bau von Hochbeeten am Jugendzentrum wirkte wie ein Signal im Stadtteil – andere Einrichtungen folgten, so dass jetzt z.B. ältere Kinder die jüngeren anleiten bei der Gartenpflege. Kommunikation und gemeinsame Pflanzaktionen gehen Hand in Hand und bewirkten z.B. die Initiierung von Mietergärten und Beeten in Hinterhöfen. Der Betrieb eines Interkulturellen Gartens mit Beeten von Familien aus 20 Ländern hat nicht nur die Funktion, Gemeinschaft zu stiften, sondern dient auch dem Erhalt der verschiedenen Heimatkulturen. Exkursionen in öffentliche Gärten (z.B. Gärten der Welt) und Gemeinschaftsgärten erweitern das Wissen um die Multifunktionalität von Gärten – und damit auch um die Vielfalt der beruflichen Möglichkeiten, die in ihnen stecken.

In den Projekten des Fördervereins wird auch eine Vernetzung mit der seit einiger Zeit bedeutsamen Bewegung der Gemeinschaftsgärten/des urban gardening angestrebt. Vor allem Kindern und Jugendlichen soll das Kennenlernen der jungen Bewegung innerhalb der Gartenkultur ermöglichen, Impulse zu bekommen, unkonventionelle Sichtweisen auf die grüne Branche zu werfen und deren Attraktivität auch vom sozialen Gedanken her kennenzulernen.

In den speziellen Projekten zur Berufsorientierung für Grüne Berufe in den Integrierten Sekundarschulen konnten wir feststellen, dass die SchülerInnen wenig vom Berufsleben eines Gärtners wissen. Eine Einführung in gärtnerische Tätigkeiten findet im SUZ an gemeinsam mit Sozialträgern organisierten Berufsorientierungstagen statt, auch im Rahmen eines Praktikums, am sogenannten Girls Day oder am Tag der offenen Tür. Für Multiplikatoren finden Betriebsausflüge statt. Kreativität wird in Floristikangeboten gefördert, handwerkliches Geschick z.B. beim Bau von Nisthilfen.

Bei der Vorstellung des Ausbildungsangebotes in der Grünen Branche speziell für Jugendliche sollten verstärkt Faktoren berücksichtigt werden, die motivationsstärkend für eine Bewerbung bzw. ein Engagement während der Ausbildung wirken. Zu diesen zählen:

  • Sicherheit / positive Zukunftsaussichten
  • Vertrauen / anerkennende Kommunikation / verlässliche Ansprechpartner
  • Angebot von Teamaktivitäten / sicht- und erlebbare soziale Einbindung
  • jugendgemäße Aktivitäten im Internet / in sozialen Medien
  • Verantwortlichkeit / Leistungsorientierte Anforderungen
  • Aufgabenbedeutsamkeit / Aufgabenidentität
  • Feedback / ergebnisbezogene Anerkennung
  • Abwechslungsreiche Herausforderungen
  • Individuelle Entwicklungsmöglichkeiten
  • Einbeziehung in Entscheidungen
  • Kreative Gestaltung von Tätigkeiten
  • Ermöglichen von Balance zwischen Arbeit und Freizeit / Flexibilität
  • Bewusstsein / Information über Unterstützungsmöglichkeiten für die künftigen Azubis schaffen (z.B. www.qualiboxx.de)
  • Sichtbarmachen von interkulturellen Kompetenzen
  • Ermöglichen internationaler Kontakte / Kennenlernen von branchenspezifischen Strukturen in anderen Ländern

Der Förderverein SUZ Mitte e.V. fördert Interesse und Austausch der Generationen über Gärten und deren Bedeutung auch durch Beteiligung an internationalen Projekten. Bildungsstrategien und Arbeitsweisen anderer europäischer Garten- und Umweltbildungseinrichtungen kennenzulernen erweitert das eigene Spektrum. Ihre Darstellung innerhalb der Berufsorientierungskurse des Fördervereins dient der Steigerung der Attraktivität einer Ausbildung in der grünen Branche.

Fragebogen für SchülerInnen Sek I, der in den Projekten des Fördervereins SUZ Mitte e.V. zur Interessenserkundung/Eignung in Berufsorientierungsprojekten eingesetzt wurde:

GärtnerIn – ein Beruf für mich?
Überprüfe dich mit folgenden Fragen – und kreuze an, was für dich stimmt:

-> Nein - eher nein - eher ja - ja

Ich habe Freude am Umgang mit Natur

  • Ich kenne mindestens 10 Pflanzennamen
  • Ich kenne mindestens 5 Baumarten

Ich habe Spaß am Gestalten und Sinn für Farben und Formen

Ich habe schon Erfahrungen im Garten gesammelt

  • Beete angelegt
  • etwas repariert
  • etwas gebaut
  • anderes

Ich bin handwerklich geschickt und habe gern mit verschiedenen Materialien zu tun

Ich bin bei jedem Wetter gerne und lange im Freien, Regen, Wind und Kälte machen mir nichts aus

Ich kann Schmutz ertragen und Lärm aushalten

Ich habe Interesse an Technik und kann mir vorstellen, mit Maschinen zu arbeiten, z. B Handflex, Minibagger, Steintrennmaschine

Ich kann gut beobachten und habe viele Ideen

Ich interessiere mich für Biologie und Chemie

Meine Leistungen in Mathe sind o. k., und ich habe Spaß am Berechnen von Flächen

Planen und Organisieren macht mir Freude

Ich habe Lust auf Teamarbeit

  • ich bin aktiv in einer AG oder Jugendgruppe

Ich bin bereit, Verantwortung zu übernehmen

Ich kann mich sprachlich gut ausdrücken

  • schriftlich
  • mündlich

Ich will auf Wünsche und Vorschläge von anderen eingehen

Ich bin körperlich fit und habe einen gesunden Rücken

  • ich bin sportlich aktiv

Ich bin frei von Allergien

Name: Schule / Klasse / Ansprechpartner(Lehrer):

Ich fühle mich ausreichend informiert über „Grüne Berufe" ja / nein

Ich habe Interesse an einem Praktikum im Schul-Umwelt-Zentrum Mitte: ja / nein