A) Duales Berufsbildungssystem

1. Ausbildungsreife der Auszubildenden, Ausbildungsbereitschaft der Betriebe
Mangelnde Ausbildungsreife ist zu einer entscheidenden Hürde für die Eingliederung Jugendlicher in das deutsche Ausbildungs- und Berufssystem geworden. Allein die erschreckende Zahl von 7,5 Mio. funktionalen Analphabeten im erwerbsfähigen Alter in Deutschland wirft dunkle Schatten auf die Grundbildung im deutschen Schulsystem. Doch Ausbildungsreife ist nicht nur eine Frage von Schulleistungen, sondern und vor allem auch der Soft Skills. Deutlich mehr als früher beklagen sich Unternehmen über mangelnde Kommunikationsfähigkeit, Durchhaltevermögen, Teamfähigkeit, und fehlende Disziplin.

Der Ausbildungsberuf des Gärtners ist vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und den heute schon deutlich zurückgehenden Bewerberzahlen in besonderem Maße vom Problem der mangelnden Ausbildungsreife betroffen. Oftmals finden Unternehmen der Grünen Branche keine Auszubildende mehr oder in zunehmendem Maße Auszubildende mit erheblichen Defiziten hinsichtlich Ihrer Ausbildungsreife.

Ausbildungsbetriebe und Berufsschulen werden sich darauf einstellen müssen, dass die erfolgreiche Ausbildung Gärtner/in in Zukunft erheblich mehr Aufwand hinsichtlich des Abbaus von Defiziten sowohl bei der Grundbildung als auch bei den Soft Skills mit sich bringen wird.

Ein weiteres Sorgenkind des deutschen Ausbildungsmarktes in der Grünen Branche ist der Rückgang der Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen und der damit im Zusammenhang stehende Verlust von Ausbildungsplätzen.

Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen immer konjunkturell bedingt ist. Diese Abhängigkeit zeigt sich in der Grünen Branche insbesondere in der unterschiedlichen Ausbildungsbereitschaft im Garten- und Landschaftsbau und den Fachrichtungen des Produktionsgartenbaus. Während die Anzahl der betrieblichen Ausbildungsplätze des Garten- und Landschaftsbaus in den letzten Jahren in Berlin und Brandenburg nahezu konstant geblieben ist, kam es zu einem drastischen Rückgang in den Fachrichtungen des Produktionsgartenbaus. Dieser Rückgang ist zum einen damit zu erklären, dass es einen Teil der früheren Ausbildungsbetriebe aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht mehr gibt, zum anderen damit, dass sich immer mehr Ausbildungsbetriebe nicht mehr in der Lage sehen, den Anforderungen der Ausbildungsordnung gerecht zu werden.

Ein weiterer Grund für die sinkende Zahl von Ausbildungsplätzen ist, dass der ehemals sehr hohe Anteil außerbetrieblicher Ausbildungsplätze bei Ausbildungsträgern in den letzten Jahren nahezu auf null heruntergefahren wurde.

Insbesondere im Zusammenhang mit der mangelnden Ausbildungsreife von Bewerbern und Auszubildenden ist damit zurechnen, dass die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen weiter sinken wird. Oftmals sind Ausbildungsbetriebe schlichtweg überfordert, den Anforderungen der Ausbildungsordnung gerecht zu werden und darüber hinaus mit konkreten Maßnahmen zum Abbau von Defiziten der Grundbildung und der Soft Skills beizutragen.

Insbesondere Maßnahmen wie Verbundausbildungssysteme können Unternehmen der Grünen Branche bei der Ausbildung konkret unterstützen und zu einer höheren Ausbildungsbereitschaft beitragen.

2. Ausbildungsordnung – Systematik, Vergleichbarkeit und Anrechenbarkeit von Bildungsabschlüssen (EQR)

a) Die Duale Berufsausbildung
Die Duale Berufsbildung ist nicht nur ein internationales Aushängeschild des Deutschen Bildungssystems, sondern auch ganz konkret ein Schlüssel zur Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit sowie zur individuellen Persönlichkeitsentwicklung und gesellschaftlichen Teilhabe.

Kennzeichen der Dualen Berufsausbildung in Deutschland ist das konstruktive Zusammenwirken von zwei voneinander unabhängigen Lernorten

  • dem Ausbildungsbetrieb und
  • der Berufsschule.

Zur fachlichen Unterstützung der betrieblichen Seite der Berufsausbildung wurden Überbetriebliche Ausbildungseinrichtungen (ÜA) geschaffen. Im Idealfall stellen diese eine wichtige Schnittstelle zwischen den Ausbildungsbetrieben und den Berufsschulen dar.

b) Die Duale Berufsbildung Gärtner/in als gemeinsame Aufgabe des Bundes, der Länder und der Ausbildungsbetriebe
Der Berufsabschluss des Gärtners wird in Deutschland nach einer i.d.R. dreijährigen dualen Berufsausbildung erreicht und gehört zu den nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) etwa 350 staatlich anerkannten Ausbildungsberufen. Grundlage der Berufsausbildung ist die Verordnung über die Berufsausbildung im Gartenbau (1996).

Die Berufsausbildung zum Gärtner/zur Gärtnerin ist in sieben Fachrichtungen differenziert:

  • Fachrichtung Garten- und Landscaftsbau
  • Fachrichtung Zierpflanzenbau
  • Fachrichtung Friedhofsgärtnerei
  • Fachrichtung Gemüsebau
  • Fachrichtung Baumschule
  • Fachrichtung Staudengärtnerei
  • Fachrichtung Obstbau

Bundesweit werden derzeit ca. 15.000 Auszubildende im Beruf des Gärtners/der Gärtnerin in einer der sieben Fachrichtungen ausgebildet. Dies entspricht knapp 1% aller Auszubildenden. Damit gehört die Gärtnerausbildung zu den TOP 30 Berufsausbildungen und ist zugleich der stärkste Ausbildungsberuf in der Landwirtschaft.

c) Grüne Berufsausbildung als Landesaufgabe
Zur Umsetzung der Verordnungen über die Berufsausbildung im Bereich der Landwirtschaft, darunter auch im Gartenbau, sind die Bundesländer wie für alle Ausbildungsberufe nach dem BBiG verpflichtet, jeweils Zuständige Stellen und Berufsbildungsausschüsse (BBA) einzurichten. Die Zusammensetzung der Berufsbildungsausschüsse ist paritätisch, d.h. sie setzen sich aus Vertretern der Sozialpartner (Arbeitgeber/Arbeitnehmer) und der Berufsschulen zusammen

d) Grüne Berufsbildung als Aufgabe der Unternehmen
Aufgrund ihres ureigenen Interesses an einer nachhaltigen Fachkräftesicherung bilden Unternehmen der Grünen Branche Auszubildende im Beruf des Gärtners aus. Nach der Verordnung über die Berufsausbildung im Gartenbau sind die Ausbildungsbetriebe verpflichtet, für jeden Auszubildenden individuell einen Ausbildungsplan zu erstellen. Die jeweils zuständige Stelle der Länder überwacht die betriebliche Umsetzung des Ausbildungsrahmenplans und des Ausbildungsplans.

e) Überbetriebliche Aus- und Weiterbildung – der Partner für moderne Berufsbildung
Überbetriebliche Ausbildungseinrichtungen der Grünen Branche wurden in den vergangenen Jahrzehnten gegründet, um Ausbildungsinhalte, die im betrieblichen Teil der dualen Ausbildung nicht in ausreichender Weise vermittelt werden können, angemessen zu vertiefen. Überbetriebliche Ausbildungseinrichtungen sind moderne Partner der Ausbildungsbetriebe, um die hohen Anforderungen der gärtnerischen Berufsausbildung erfüllen zu können. Damit sind Überbetriebliche Ausbildungseinrichtungen keine vermeintliche eigenständige dritte Säule, sondern Teil der betrieblichen Ausbildung innerhalb der dualen gärtnerischen Berufsausbildung.

In den einzelnen Bundesländern sind Überbetriebliche Ausbildungseinrichtungen für die gärtnerische Berufsbildung ganz unterschiedlich strukturiert. Es sind staatliche Lehr- und Versuchseinrichtungen, eigenständige DEULAs oder berufsständische Einrichtungen wie die LAGF. Darüber hinaus werden Angebote der Fort- und Weiterbildung für die Grüne Branche gemacht. Der Aufbau solcher Einrichtungen wird unter engen Rahmenbedingungen durch das BIBB finanziell unterstützt. Einzelne Bundesländer unterstützen die Überbetriebliche Ausbildung der Grünen Branche finanziell über die jeweils zuständigen Landesministerien. Bundesweite Regelungen hierzu bestehen nicht.

f) AuGaLa – das Ausbildungsförderwerk Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V.
Aus dem Bewusstsein heraus, dass eine hochwertige Ausbildung für den gesamten Berufsstand von Bedeutung ist, wurde für die Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau 1977 das Ausbildungsförderwerk Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (AuGaLa) e.V. gegründet. Seither betreibt das AuGaLa bundesweit ein vorbildhaftes System der berufsständisch und von den Sozialpartnern (Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. / Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt) organisierte Überbetrieblichen Ausbildung (www.augala.de).

Die Ziele des AuGaLa sind:

  • die Qualität der Ausbildung zerhöhen,
  • die Betriebe mit einer ausreichenden Anzahl von Fachkräften zu versorgen und
  • die Ausbildung in den Betrieben finanziell zu unterstützen.

Damit die Aufwendungen für die Ausbildungsbetriebe möglichst gering sind, übernimmt das AuGaLa die gesamten Kosten der überbetrieblichen Ausbildung. Dazu gehören die Entwicklungskosten des AuGaLa-Kursprogramms, die Kosten für die in Anspruch genommenen Überbetrieblichen Ausbildungskurse einschließlich der Kosten für Übernachtung, Verpflegung und Anreise der Auszubildenden. Das AuGaLa-System finanziert sich ausschließlich über betriebliche Umlagen umlagepflichtiger Unternehmen des Garten- und Landschaftsbaus.

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3. Strukturierte Berufsbildung im Sinne von lebensbegleitendem Lernen

Die berufliche Grund- und Weiterbildung stellt eine wesentliche Voraussetzung für einen wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort, Wohlstand und Vollbeschäftigung dar. Die Wirtschaft leistet durch ein nachfragegerechtes Angebot an Ausbildungs- und Praktikumsplätzen hierzu einen zentralen Beitrag.

Ziel einer KMU-freundlichen Berufsbildungspolitik ist deshalb die konsequente Ausrichtung der vorgelagerten Stufen auf die Bedürfnisse von Unternehmen, welche die Schul- und Studienabgänger letztlich aufnehmen. Im Kampf um die Schulabgänger steht das duale Berufsbildungssystem heute in einem harten Wettbewerb. Aufgrund der demographischen Entwicklung aber auch der Qualifikationen der Schulabgänger, wird es immer schwieriger den Fachkräftebedarf quantitativ und qualitativ nachhaltig sichern zu können.

Gerade vor diesem Hintergrund besteht ein hoher Bedarf an strukturierten Weiterbildungsangeboten, die auf die gärtnerische Grundausbildung aufbauen und damit den jungen Fachkräften eine zukunftsfähige Berufsperspektive bieten. Wichtige Kriterien einer solchen strukturierten Weiterbildung sind:

  • Durchlässigkeit des Weiterbildungssytems,
  • Vergleichbarkeit der Abschlüsse,
  • Integration von formalen und informellen Weiterbildungsabschlüssen.

B) Gesellschaftspolitische Fragestellungen einer zukunftsorientierten Gärtnerausbildung

1. Duales Lernen in der Sekundarschule, Berufsorientierung und Nachwuchswerbung (Fachkräftesicherung)

a) Duales Lernen in der Sekundarschule
Ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen scheinen von der Arbeitswelt Ihrer Eltern nur noch wenig oder gar nichts mehr mitzubekommen. Duales Lernen in der Sekundarschule in Form von Betriebspraktika, Unternehmenskooperationen und insbesondere Schülerfirmen können Brücken von der Welt der Schule in die Arbeitswelt schlagen. Mit den Ansätzen des Dualen Lernens können darüber hinaus auch ganz andere Kenntnisse und Fähigkeiten von den Schüler abgefordert und weiterentwickelt werden, wie z.B. körperliche Anstrengung, soziale Kompetenz, Teamfähigkeit, Durchsetzungs- und Durchhaltevermögen. Die Erfahrung zeigt, dass im Schulalltag sehr einseitig kognitive Fähigkeiten abgefragt und honoriert werden. Die Ansätze des Dualen Lernens erweitern das kognitive Spektrum und geben Schülern die Möglichkeit, sich auch in schuluntypischen Situationen zu erleben und zu behaupten.
Duales Lernen meint somit nicht, sich mit der Schulklasse einen Betrieb anzuschauen und dabei weitgehend in den schultypischen Verhaltensweisen verhaftet zu bleiben. Mit Ansätzen des Dualen Lernen soll vielmehr der schulische Alltag aufgebrochen und für betriebliche Herausforderungen, Herangehens- und Verhaltensweisen geöffnet werden.

Insbesondere die im Rahmen von Schülerfirmen gemachten Erfahrungen zeigen, dass die Ansätze des Dualen Lernens einen wichtigen Beitrag zur Berufsorientierung von Jugendlichen leisten können. Diese Ansätze sollten methodisch und didaktisch weiterentwickelt werden.

b) Berufsorientierung
Obwohl sich objektiv die Lage auf dem Ausbildungsmarkt in den letzten Jahren entspannt hat, gelingt der direkte Übergang von der Schule in den Beruf auch heute längst nicht allen Jugendlichen. Zunehmend setzt sich die Erkenntnis durch, dass eine frühzeitige Berufsorientierung und Förderung berufsübergreifender Schlüsselkompetenzen für gelungene Übergänge unerlässlich wird.
Berufsorientierung ist ein Berufsfindungsprozess von Kindern – und Jugendlichen, der indirekt bereits im Vorschulalter beginnt, in dem bestimmte gesellschaftlich besonders wichtige und geschätzte Berufe eher positiv (z.B. Feuerwehrmann, Polizist, Arzt) und andere eher negativ (Müllmann, Straßenbauer) wahrgenommen werden.

Leider wissen wir viel zu wenig über diese Berufsfindungsprozesse und auch darüber wie die jeweiligen Berufswünsche, die ersten Schritte von Berufswahl und Berufsentscheidung der heutigen Generation Z (Geburtsjahre ab 1998) tatsächlich zustande kommen:

  • Welche Faktoren sind überhaupt ausschlaggebend für die heutigen Berufsfindungsprozesse?
  • Welche Vorbildfunktion haben die Berufe der Erziehungsberechtigten?
  • Welche lokalen, bzw. regionalen wirtschaftlichen Gegebenheiten beeinflussen die Berufswahl?
  • Welche Erwartungen stellen heute Jugendliche an Ihren gewünschten Ausbildungsberuf?
  • Welche Informationsquellen sind heutzutage für die Jugendlichen ausschlaggebend?
  • Welche Bedeutung haben digitale und soziale Medien?

Diese und viele weitere Fragen sind im Zusammenhang mit der Berufsorientierung weitgehend ungeklärt bzw. unbeantwortet. Unserer Ansicht besteht hier dringender Forschungsbedarf im Rahmen der Berufsbildungsforschung, um überhaupt zeitgemäße Formen der Berufsorientierung entwickeln zu können.

Fakt ist, dass die in den vergangenen Jahrzehnten millionenfach gedruckten Berufsinformationen die Generation Z nicht wirklich erreichen. Ob und wie die derzeitigen Online-Angebote die Jugendlichen in Ihrem Berufsfindungsprozess tastsächlich unterstützen, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Vielleicht müssen zeitgemäße Formen der Berufsorientierung zusätzlich zu den notwendigen Informationsangeboten ganz neue methodische und didaktische Wege beschreiten.

Für die gegenwärtige und zukünftige Attraktivität der gärtnerischen Ausbildungsberufe werden Maßnahmen der Berufsorientierung von ausschlaggebender Bedeutung sein. Gelingt es nicht durch zeitgemäße Formen der Berufsorientierung und Nachwuchswerbung die besonderen Qualitäten des Ausbildungsberufes Gärtner/in und dessen Zukunftsperspektiven zu vermitteln, wird die Branche sich auf weiter sinkende Bewerberzahlen einstellen müssen. Hier sind insbesondere die Berufsverbände und Unternehmen der Grünen Branche gefordert, Konzepte zu entwickeln und umzusetzen.

c) Nachwuchswerbung
Das Ausbildungsförderwerk Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (AuGaLa) e.V. versteht seit seiner Gründung im Jahre 1977 die Nachwuchswerbung als ein wichtiges Aufgabengebiet des Berufsstandes zur nachhaltigen Sicherung des Fachkräftebedarfes. Über die Jahre hat das AuGaLa ein systematisches und professionelles Nachwuchswerbekonzept entwickelt, dass von den Landesverbänden umgesetzt und bundesweit evaluiert wird.

Die Nachwuchswerbung des AuGaLa umfasst dabei:

  • Nachwuchswerbekampagnen,
  • Entwicklung von Werbemitteln für die Nachwuchswerbung,
  • Einsatz von Referenten für Nachwuchswerbung,
  • Individuelle Beratung von Betrieben und Interessenten.

Da sich das AuGaLa-System ausschließlich über betriebliche Umlagen umlagepflichtiger Unternehmen des Garten- und Landschaftsbaus finanziert, bezieht sich deren Nachwuchswerbung ausschließlich auf die Fachrichtung des Garten- und Landschaftsbaus des Ausbildungsberufes Gärtner/in.

Das berufsständische Engagement des AUGALA in der Nachwuchswerbung zeigt seither deutlich erkennbare (und messbare) Wirkungen hinsichtlich des Bekanntheitsgrades und der Attraktivität der Ausbildung in der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau.
Obwohl die Nachwuchswerbung des AuGaLa ausschließlich auf die Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau ausgerichtet ist, strahlt diese jedoch mit Ihrem positiven Image auch auf die anderen sechs Fachrichtungen des Ausbildungsberufes Gärtner/in aus.

Für die übrigen sechs Fachrichtungen des Ausbildungsberufes Gärtner/in:

  • Zierpflanzenbau
  • Friedhofsgärtnerei
  • Gemüsebau
  • Baumschule
  • Staudengärtnerei
  • Obstbau

gibt es leider kein vergleichbares systematisches Nachwuchswerbekonzept. Von Seiten des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG) e.V. werden von Zeit zu Zeit vereinzelte Nachwuchswerbekampagnen wie z.B.

  • 2004: „Tage der Kindergärtnerei"
  • 2010 „Gärtner - Ein Beruf voller Leben"
  • 2012: „Abenteuer Gärtnerei"
  • 2013: „Gärtner. - der Zukunft gewachsen".

initiiert, die aber in keinem wirklich systematischen Zusammenhang stehen.

Damit besteht für den Ausbildungsberuf Gärtner/in insgesamt betrachtet kein gemeinsames, abgestimmtes und systematisches Nachwuchswerbekonzept - ein Zustand, der angesichts der seit Jahren deutlich rückläufigen Bewerber- und Ausbildungsplatzzahlen verwundert.

Die Entwicklung und Umsetzung eines solchen Nachwuchswerbekonzeptes für den Ausbildungsberuf Gärtner/in (alle FR) ist ein erster notwendiger Schritt der Grünen Branche, um sich am gegenwärtigen „Wettbewerb um (nicht nur) die besten Köpfe" überhaupt beteiligen zu können.

Der Ausbildungsmarkt, insbesondere in der Grünen Branche entwickelt sich durch den demographischen Wandel immer stärker zu einem Bewerbermarkt. Immer weniger Ausbildungsbetriebe werden sich in den nächsten Jahren ihre Auszubildenden aussuchen können. In Zukunft werden sich Betriebe darauf einstellen müssen, dass die Bewerber oftmals diejenigen sind, die sich zwischen verschiedenen Ausbildungsplatzangeboten entscheiden können. Nach den Jahrzehnten der Baby-Boomer-Generation und des akuten Ausbildungsplatzmangels wird diese Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt für viele Unternehmen eine Herausforderung darstellen.

2. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)
Fragen zu Ökologie, Klimawandel und Biodiversität

Der Begriff der „Nachhaltigkeit" wurde drei Jahrhunderte lang fast ausschließlich als Fachbegriff im Zusammenhang mit der modernen, d.h. nachhaltigen Forstwirtschaft verwendet. Erst mit Beginn der Umweltdebatte im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts erfuhr der Begriff „Nachhaltigkeit" eine erweiterte Bedeutung als Orientierung für die Gestaltung der Zukunft. Der Begriff „SHYPERLINK "http://www.klimesch.com/en/products/substainability.html"ubstainability" wurde zunächst mit dauerhaft bzw. systemerhaltend übersetzt. Als Schlüsselsatz für die normative Begriffserweiterung wird in der Regel eine Stelle aus dem „Brundtland-Bericht" zitiert, der 1987 von der „Weltkommission für Umwelt und Entwicklung" verfasst wurde: „Dauerhafte Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können".

Der zunächst noch auf den Umgang mit Umwelt und Ressourcen bezogene Nachhaltigkeitsbegriff, erweiterte sich spätestens in den 90er Jahren in Richtung Politik, Wirtschaft, Sozialwissenschaften und Marktforschung. Für fast jeden gesellschaftlichen Teilbereich bestehen inzwischen spezifische Nachhaltigkeitsdefinitionen. In diesem rasanten Prozess der semantischen Verallgemeinerung hat „Nachhaltigkeit" zugleich eine zunehmende Abstrahierung erfahren.

Auf der einen Seite sind allgemeinverbindliche Definitionsversuche des Begriffs Nachhaltigkeit mittlerweile aussichtslos. Auf der anderen Seite fungiert der Begriff „Nachhaltigkeit" in der Zwischenzeit als allumfassende Normvorgabe des guten Willens, gewissermassen als Weltformel positiver Zukunftsgestaltung.

a) Bildung für nachhaltige Entwicklung
Seit der Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen (UNCED) in Rio de Janeiro (1992) ist Nachhaltigkeit im Sinne der Agenda 21 in vielen Staaten zur Leitlinie öffentlichen Handelns geworden. In Deutschland wurde das Prinzip der Nachhaltigkeit 1994 als Staatsziel in Art. 20a 3%BCr_die_Bundesrepublik_Deutschland"Grundgesetz verankert. Mit dem Bundestagsbeschluss „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung" von 2000 wurde die Bundesregierung aufgefordert, die Gestaltung der bundesdeutschen Gesamtpolitik am Leitbild einer „nachhaltigen Entwicklung" auszurichten und diese Zielsetzung mit konkreten Maßnahmen im Bildungsbereich zu verwirklichen.

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist eine politisch lancierte Bildungsoffensive zur Umsetzung der Agenda 21. Im Jahr 2004 haben sich die Vereinten Nationen mit der 2%80%9EBildung_f%C3%BCr_eine_nachhaltige_Entwicklung%E2%80%9C"UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" dazu verpflichtet, die Prinzipien der Nachhaltigkeit im Zeitraum 2005 – 2014 in den jeweiligen Bildungssystemen zu verankern.

In Deutschland wurden seither verschiedene Bildungskampagnen zur Umsetzung der BNE wie z. B in Form von:

  • Transfer-21 (über 10% der 40.000 allgemeinbildenden Schulen)
  • Europäische Umweltschulen
  • Internationale Agenda-21-Schulen
  • UNESCO-Schulen

umgesetzt. Darüber hinaus hat die Kultusministerkonferenz „Bildung für nachhaltige Entwicklung" und „globales Lernen" in den Jahren 2007 und 2009 als zentrale Aufgaben der Schule definiert.

Im Jahr 2014 - am Ende dieser UN-Dekade - scheinen rein formal betrachtet die Prinzipien der Nachhaltigkeit und die Bildung für Nachhaltige Entwicklung" in Deutschland und seinen Bildungssystemen fest verwurzelt.

Doch wie nachhaltig ist die Bildung für nachhaltige Entwicklung? – Und inwieweit hat sich die Bildung für nachhaltige Entwicklung in den letzten 10 Jahren tatsächlich in den Köpfen verankert?

Der Jugendreport Natur 2010 kommt dabei zu überraschenden Ergebnissen. Im Rahmen dieser Studie wurden im Februar bis Mai 2010 über 3.000 Sechst- und Neuntklässler aller Schulformen aus 6 Bundesländern zu ihrem Naturwissen und Naturverhältnis befragt. Diese Befragungsergebnisse wurden mit den Befragungsergebnissen der Vorgängerstudien 1997 – 2006 verglichen.

Die Ergebnisse dieser Studie zur Natur-Beziehung von Jugendlichen in der Hightech-Welt sind:

  • dass nach 7 Jahren Kampagnenpädagogik „Bildung für nachhaltige Entwicklung" kaum ein Zugewinn im Verständnis von Nachhaltigkeit erkennbar ist.
  • dass die Beziehung der jungen Generation zur Natur immer abstrakter, formeller und statischer wird. Dies kommt einerseits den Denkstrukturen und Normvorgaben der Naturwissenschaft und des Naturschutzes entgegen, andererseits scheint zugleich das subjektiv-konkrete Erfahrungs- und Wissensfundament verloren zu gehen.
  • dass der abstrakte Nachhaltigkeitsbegriff offenkundig nur schwer dieKöpfe von Kindern und Jugendlichen erreicht und BNE daran kaum etwas zu verändern vermocht hat.
  • dass die notwendige Nutzungsdimension von Natur im Weltbild der jungen Generation weitgehend verdrängt wird und dagegen das Schutzparadigma im Vordergrund steht.
  • dass im Zusammenhang mit der heute weitverbreiteten ökologischer Political Correctness ein wirklichkeitsfremdes, widersprüchliches und infantiles Naturbild im Entstehen (Bambi-Syndrom) ist.

Vor diesem Hintergrund erscheint es fraglich, ob BNE wirklich zu einem vertieften Verständnis von Nachhaltigkeit beiträgt oder nur zu einer von aller Wirklichkeit losgelösten ökologischen Bekenntnisrhetorik und Bekenntniskultur führt.

„Das Bambi-Syndrom erschwert das Verständnis von Nachhaltigkeit. Denn eine zarte und hilflose Bambi-Natur darf man nicht einfach unter schnöden Nützlichkeitsgesichtspunkten betrachten und behandeln. Während es beim Naturschutz in der Regel um die Herauslösung von Naturelementen aus dem Wirtschaftskreislauf, um ihre Abschottung gegenüber dem utilitaristischen Zugriff des Menschen geht, steht beim Nachhaltigkeitskonstrukt nicht um das Ob, sondern das Wie eines solchen Zugriffs zur Debatte. Wer nicht die Notwendigkeit einer massenhaften Nutzung der Natur für unser Überleben erkennt, kann die Forderung nach Nachhaltigkeit der Ressourcennutzung nicht verstehen."

3. Auswirkung neuer Formen der Gartenkultur auf die Berufsbildung, z.B. urbaner Gartenbau, Naturwahrnehmung

Die Gesellschaft für Berufsbildende Maßnahmen führte in Kooperation mit der Humboldt Universität Berlin von 2011 bis 2014 ein von der Deutschen Bundestiftung Umwelt finanziertes Modellprojekt „Urban Gardening" durch. Im Teilprojekt 3 wurden auch die möglichen Bezugspunkte von Urban Gardening zur informellen und formellen gärtnerischen Berufsbildung (Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau) modellhaft erprobt. Schüler der Peter-Lenné-Schule (Oberstufenzentrum Agrarwirtschaft) berieten lokale Urban Gardening Aktionsgruppen zum Thema dezentrales Wassermanagement und setzten eine Modellanalage im Tempelhofer Feld um.
Solche Modellprojekte können eine projektbezogene Bereicherung der gärtnerischen Grundbildung darstellen. Im Zusammenhang mit dem Kern der gärtnerischen Grundbildung bestehen jedoch nur punktuelle Bezugspunkte zu „neuen" Formen der urbanen Gartenkultur.

Was ist eigentlich „neu" an Urban Gardening? - Ist Urban Gardening nicht eigentlich die Wiederentdeckung der „Neolithischen Revolution" durch eine in der Zwischenzeit weitgehend „naturentfremdeten" und „hochemotionalisierten" Jugendkultur?

Großbeeren, 31.07.2014

Dieter Franz Obermaier
(Geschäftsführender Leiter)

 

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Verantwortlich für die Endredaktion: Dieter Franz Obermaier & Rainer Sauter

Die Ansprechpartner für die beteiligten Bildungseinrichtungen der Leonardo da Vinci Partnerschaft „Duale Bildung in Schule und Beruf - gemeinsame Wege zum Beruf Gärtner/in in Europa" sind:

Gartenbauschule Langenlois (A)
Anna-Maria Betz (Berufsschuldirektorin)
Am Rosenhügel 15
A-3550 Langenlois
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.gartenbauschule.at

Verein Bildungszentrum Gärtner JardinSuisse Zürich (CH)
Armin Schädeli (Präsident)
Hörnlistr. 77
CH-8330 Pfäffikon ZH
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.gaertnermeister.org

EPLFPA Rouffach Wintzenheim (F)
Marc Longo (Berufsschulleiter)
8 aux remparts
F-68250 Rouffach
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.rouffach-wintzenheim.educagri.fr/lysee-de-rouffach.html

Förderverein Schul-Umwelt-Zentrum Mitte e.V. (D)
Rainer Sauter (Vorsitzender)
Scharnweberstr. 159
D-13405 Berlin
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.suz-mitte-verein.de

Lehranstalt für Gartenbau und Floristik Großbeeren e.V. (D)
Dieter Franz Obermaier (Geschäftsführender Leiter bis 31.08.2014)
Theodor-Echtermeyer-Weg 1
14979 Großbeeren
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.lagf.de

 

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An dieser Stelle möchte wir uns zunächst insbesondere bei den an der LEONARDO Partnerschaft „Duale Bildung in Schule und Beruf – 
gemeinsame Wege zum Beruf Gärtner/in in Europa" beteiligten Mitarbeitern und Auszubildenden

  • der Gartenbauschule Langenlois (A)
  • des Bildungszentrums Gärtner Pfäffikon ZH (CH)
  • der EPLFPA Rouffach Wintzenheim Rouffach (F)
  • des Förderverein Schul-Umwelt-Zentrum Mitte e.V. (D) und
  • der Lehranstalt für Gartenbau und Floristik Großbeeren (LAGF) e.V. (D)

herzlich bedanken.

Besonderen Dank gilt darüber hinaus den zahlreichen lokalen, regionalen, bundesweiten und europäischen Projektpartnern die die LEONARDO Partnerschaft im Projektzeitraum aktiv begleitet und unterstützt haben:

  • QIBB (Online-Portal zur Qualitätssicherung des österreichischen Bundesministeriums für Bildung und Frauen) (A)
  • Technische Universität (TU) in Berlin (D)
  • SZ Peter-Lenné-Schule in Berlin (D)
  • Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau (LVG) in Heidelberg (D)
  • Junggärtner Berlin-Brandenburg e.V. (D)
  • Ausbildungsförderungswerk (AFW) der LAGF e.V. (D)
  • Zentralverband Gartenbau (ZVG) e.V. (D)
  • Humboldt Universität (HU) in Berlin (D)

 

Nochmals herzlichen Dank an Alle!

Langenlois, Pfäffikon, Rouffach, Berlin und Großbeeren im September 2014

Das Projektteam der LEONARDO-Partnerschaft „Duale Bildung in Schule und Beruf – gemeinsame Wege zum Beruf Gärtner/in in Europa"

 

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